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TrustSink: Wie ein manipulierter MFA-Anbieter Passwörter stiehlt – und warum Passwort-Resets nicht reichen

Externe Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) gilt als sichere Ergänzung zu Passwörtern. Doch was, wenn der MFA-Anbieter selbst zur Falle wird? TrustSink – eine von Varonis Threat Labs entdeckte Angriffsmethode – zeigt, wie Angreifer einen scheinbar vertrauenswürdigen externen Authentifizierungsanbieter in Microsoft Entra (ehemals Azure AD) als dauerhafte Passwortfalle missbrauchen. Das Tückische: Selbst nach einem Passwort-Reset bleibt die Falle aktiv – und fängt das neue Passwort beim nächsten Login ab.

Wie TrustSink funktioniert: Der Angriffsablauf

  1. Vorbereitung: Der gefälschte Anbieter
    Ein Angreifer mit Global Administrator- oder Authentication Policy Administrator-Rechten registriert einen rogue External Authentication Method (EAM)-Anbieter in Microsoft Entra. Dieser Anbieter:
    • Präsentiere dem Nutzer eine 1:1-Kopie der Microsoft-Login-Seite (inkl. Layout, Schriftarten, Buttons).
    • Gibt gegenüber Entra vor, eine gültige MFA-Prüfung durchgeführt zu haben – ohne echte Authentifizierung.
    • Leitet die eingegebenen Passwörter im Klartext an den Angreifer weiter, während er gleichzeitig ein signiertes JWT-Token an Entra zurücksendet, um den Login abschließen zu lassen.
  2. Der Nutzer sieht: Business as usual
    Aus Nutzerperspektive läuft alles normal ab:
    • Login auf login.microsoftonline.com → Passworteingabe (an Microsoft).
    • MFA wird ausgelöst → Weiterleitung zu einer zweiten Passwortabfrage (die gefälschte Seite).
    • Eingabe des Passworts → automatische Weiterleitung zum Zielsystem.
      Kein Fehler, keine Warnung. Die zweite Passwortabfrage erscheint logisch, da sie direkt im bekannten Login-Flow eingebettet ist.
  3. Die Falle schnappt zu
    • Das Passwort wird im Klartext an den Angreifer gesendet (inkl. Zeitstempel und IP-Adresse).
    • Selbst nach einem Passwort-Reset bleibt der EAM-Anbieter aktiv – und fängt das neue Passwort beim nächsten Login ein.

Warum TrustSink gefährlich ist

  • Persistenz: Die Falle bleibt bestehen, bis der EAM-Anbieter manuell entfernt wird.
  • Hohe Glaubwürdigkeit: Die gefälschte Seite ist pixelgenau und erscheint im offiziellen Microsoft-Flow.
  • Umgehung von MFA: Der Angreifer nutzt eine Vertrauensgrenze in Entra: Solange der EAM-Anbieter ein gültiges Token zurückgibt, wird die Authentifizierung akzeptiert – unabhängig davon, was dem Nutzer angezeigt wird.
  • Schwierige Erkennung: Nutzer erkennen den Betrug nicht, da die URL nur kurz im Browser sichtbar ist (z. B. auth-verify.microsoft-sso.com).

Erkennung und Abwehr: Was Unternehmen jetzt tun müssen

BereichMaßnahmeWarum?
AuthentifizierungsrichtlinienÜberwachen Sie Änderungen in der Authentication Methods Policy (neue EAM-Anbieter).Jeder nicht autorisierte Eintrag ist ein Warnsignal.
AnwendungsregistrierungenPrüfen Sie neue App-Registrierungen mit unbekannten Redirect-URIs (z. B. externalauthprovider).Angreifer nutzen oft generische Namen wie „Security Verification“.
Service PrincipalsAnalysieren Sie neue Service Principals mit unbekannten Zertifikaten oder Schlüsselmaterial.Diese werden automatisch bei der App-Registrierung erstellt.
Login-LogsFiltern Sie nach unbekannten Issuern (z. B. acr: "possessionorinherence", amr: ["hwk"]).Genuine Hardware-Key-Logs enthalten diese Claims nur nach echter Authentifizierung.
Automatisierte ToolsAchten Sie auf häufige Graph-API-Aufrufe in kurzer Zeit (z. B. Add application, Add service principal).Angreifer nutzen Skripte für schnelle Bereitstellung.

Sofortmaßnahmen bei Verdacht:

  • EAM-Anbieter deaktivieren (in der Authentication Methods Policy).
  • App-Registrierung und Service Principal löschen (inkl. Zertifikate und Berechtigungen).
  • Betroffene Nutzer identifizieren (über Login-Logs) und Passwörter zurücksetzen.
  • Conditional Access-Richtlinien prüfen (wer hat Zugriff auf die Authentifizierungspfade?).
  • Auf FIDO2/Windows Hello umstellen – Passwortabfragen während der MFA sind dann verdächtig.

Fazit: Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser

TrustSink nutzt eine Systemschwäche aus: Microsoft Entra vertraut blind auf signierte Tokens von registrierten EAM-Anbietern – ohne zu prüfen, was diesen Anbietern angezeigt wird. Für Angreifer ist dies eine hocheffiziente Persistenzmethode; für Verteidiger eine weitere Erinnerung, dass Identitätsinfrastrukturen genauso überwacht werden müssen wie Login-Versuche selbst.

Handlungsempfehlung:

  • Regelmäßige Audits der Authentifizierungsrichtlinien und App-Registrierungen.
  • Einschränkung von Admin-Rechten (Global Administrator, Authentication Policy Administrator).
  • Nutzer für ungewöhnliche Passwortabfragen sensibilisieren – selbst wenn sie „offiziell“ aussehen.

Weiterführende Links:

Varonis Threat Labs: TrustSink Deep Dive (englisch)
Microsoft-Dokumentation: Externe Authentifizierungsmethoden

Frage an Sie:

Haben Sie bereits Erfahrungen mit externen MFA-Anbietern in Ihrer Umgebung gemacht? Wie überwachen Sie aktuell Änderungen in Ihrer Identitätsinfrastruktur?

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